Worum geht es?

Das Sustainable Lifestyle Accelerator -Projekt engagiert Schweizer Haushalte, die über einen Zeitraum von 2 bis 3 Monaten mithelfen, nachhaltige Lebensstile zu erforschen. Mit der fachkundigen Unterstützung von future.camp®-Experten üben sie, wie ein umweltfreundlicher Alltag aussieht, welche Lösungen in ihrem Haushalt umgesetzt werden können und wo noch Handlungsbedarf besteht.

   Warum mitmachen?

Eine durchschnittliche Schweizer Person verbraucht 3.1 Planeten. Schwer vorstellbar, wie die Welt aussehen würde, wenn alle 7,4 Milliarden Erdbewohner 374 kg Abfall pro Jahr produzieren würden, denn so viel Abfall produziert ein Mensch alleine in der Schweiz. Auf die Weltbevölkerung hochgerechnet wären dies 2,767 Milliarden Tonnen Abfall pro Jahr. Unser Planet wäre eine einzige Mülldeponie. Hier endet aber unser Verbrauch an Ressourcen noch nicht: wir produzieren CO2 und verbrauchen Naturgüter, indem wir uns fortbewegen, wohnen, heizen, essen, kommunizieren und konsumieren. All dies müssen wir richtig tun, damit die Ressourcen unserer Erde nicht auf ewig verschwendet werden. Zukünftige Generationen können nur gedeihen, wenn wir bald Lösungen finden, die allen Menschen auf der Erde ein gutes und gesundes Leben ermöglichen. ​​

      Pilotphase des Projekts    

Juli 2018 - Rekrutierung der Haushalte
Nach einem Aufruf über die future.camp® Webseite und auf relevanten Social Media Plattformen haben sich über 60 Haushalte für eine Teilnahme am SLA gemeldet. Nachdem das future.camp® Team 12 für die Schweiz repräsentative Haushalte ausgewählt hatte, haben sich 6 davon definitiv entschieden am Projekt teilzunehmen. Dies zeigt, wie schwierig es ist, eine Gruppe von Privatpersonen dazu zu motivieren, sich intensiv und methodisch mit ihrem Konsum auseinanderzusetzen. Die Roadmapping-Workshops werden zeigen, wie hoch die Bereitschaft ist, das individuelle Verhalten anzupassen um den Konsum und den Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren.
September 2018 - Kick-Off mit 6 Haushalten
Zum offiziellen Kick-Off Workshop im Impact Hub in Zürich erschienen 4 der 6 angemeldeten Schweizer Haushalte. Für 2 der 6 teilnehmenden Haushalte organisierte das future.camp® Team einen zweiten Kick-Off. So hatten alle Teilnehmer der ersten Projektphase den selben Wissensstand und die gleichen Voraussetzungen zur initialen Berechnung ihres Fussabdrucks. Der Fragebogen zur Berechnung des Status-Quo-Ressourcen-Verbrauchs war in dieser Projektphase noch nicht ganz ausgereift, sodass das Team aufgrund der Feedbacks der Haushalte den Fragebogen überarbeitete und die Befragung um 3 Wochen nach hinten verschob
November 2018 - Roadmapping-Workshops
Nach der Auswertung der Fragebogen wurden für die Haushalte individuelle Footprints für alle Lebens- bzw. Konsumbereiche berechnet. Jeder Haushalt erhielt einen Report mit Grafiken, unterteilt in die verschiedenen Lebensbereiche, woraus ersichtlich wurde, wo ihre grössten Einsparpotentiale liegen um einen Lebensstil zu erreichen, der nicht mehr als 3 Tonnen CO2 pro Person vorsieht. Zum Roadmapping-Workshop im Impact Hub Zürich erschienen 4 der 6 Haushalte. Die übrigen zwei Haushalte erhielten je einen Privatworkshop zu Hause, da die Familien mit kleinen Kinder nicht so mobil oder junge Paare beruflich sehr eingebunden waren. 

Das Roadmapping mit der Auslegung der Reduktionsziele auf einem grossen ausgedruckten Poster mit den unterschiedlich grossen und farbigen Rechtecken, welche verschiedene wirkungsvolle Aktionen zur Reduktion des Fussabdrucks symbolisierten, hat den Teilnehmern sichtlich Spass gemacht. Die Platzierung der ausgewählten Aktionen auf einer Timeline fiel den Teilnehmern sehr leicht und war meist bereits nach 5-10 Minuten vollbracht. Die meisten Teilnehmer gingen auch voller Tatendrang an die Experimente. Ein Haushalt hat sogar eine Excel-Tabelle mit einem detaillierten Aktionsverlauf verfasst. 
Dezember 2018 / Januar 2019 - Experimente
Im Dezember haben die Haushalte mit der Umsetzung der Aktionen begonnen, die ihren Fussabdruck reduzieren sollen. Eine Familie hat gleich zu Beginn ihr Auto verkauft und ist definitiv auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen. Ein anderer Haushalt hat sich intensiv mit seinem Stromverbrauch auseinandergesetzt. Das Bild zeigt einen Schweizer Haushalt bei der Evaluation des "MyStrom Switches". Das Gerät hat dem Haushalt Know-how gebracht, was zu Einsparungen beim Stromverbrauch geführt hat. Insbesondere versteht der Familienvater die Verbrauchsmuster verschiedener Geräte besser und ist vorsichtig geworden, was die Nutzung von mobilen PV-Panelen angeht. Spannend! 
Januar / Februar 2019 - Interviews mit den Haushalten
Wie wertvoll der persönliche Kontakt mit den Projektteilnehmern für die erste Phase des Projekts war, stellte sich in der Zeit nach dem Experiment heraus. Fast alle Mitglieder der Haushalte (ausser einige Teenager und Kleinkinder) haben sich an den Interviews zu den Aktionen beteiligt und wertvolle Inputs für die Entwicklung des zukünftigen Coaching-Tools gegeben. Alle gaben an, dass das Konzept des Roadmappings sie überzeugt hat und dass sie erstaunt waren, wie einfach viele Aktionen umzusetzen waren. Besonders überzeugt waren die Haushalte allgemein von der Vielfalt der Möglichkeiten, die sich bieten, einen nachhaltigen Lebensstil umzusetzen. Ob ein paar Tassen Kaffee pro Tag weniger, eine vegane Woche einlegen, weniger Foodwaste oder die Heizung und den Warmwasserverbrauch optimieren – 80% Aktionen waren für die Teilnehmer relativ einfach umzusetzen. Alle Haushalte gaben an, dass sie durch die Teilnahme am SLA Pilotprojekt viel bewusster mit dem Konsum im Allgemeinen umgehen. Einige haben nebst den Projektaktionen weitere Massnahmen erfunden, wie zum Beispiel das Halbieren von Spülmaschinen-Tabs (Bild).
März 2019 - Erste Resultate der Pilotphase
Wie viel CO2 die Haushalte mit ihren Aktionen eingespart haben, zeigt sich in einer ersten Grafik, die uns das Forscherteam aus Finnland und Wuppertal geliefert haben. In lediglich einem Monat umgesetzter Massnahmen, konnte eine Reduktion von 2-18% in den Lebensbereichen Wohnen, Konsum, Mobilität, Nahrung und Freizeit erreicht werden. Die Reduktion des CO2-Fussabdrucks pro Haushalt mag gering erscheinen, aber die Schweizer Teilnehmer haben in einem Monat gemeinsam viel erreicht. Bis zum Ziel 2030 (3 Tonnen pro Kopf) ist noch viel zu tun, aber die erhoffte Verhaltens- und Bewusstseinsveränderung ist eingetroffen. Die Familienmutter und Unternehmerin eines teilnehmenden Haushalts hat sich nach dem Experiment beruflich verändert: Sie arbeitet nun nicht mehr im Grosshandel, sondern gründet ein Unternehmen und sucht Franchise-Nehmer, die sich mit einem Bio- und Quartierladen-Konzept selbständig machen wollen.

     Was entwickelt das Projekt?    

Das SLA-Projekt dauert 3 Jahre. In der ersten Runde 2018/2019 werden die Forschungstools an einer Gruppe von 5-6 Haushalten getestet. Dies liefert Daten und Erfahrungswerte für die Entwicklung eines online 
Rechners, der in der zweiten Projektrunde 2019/2020 mit einer Gruppe von ca. 500 Haushalten getestet wird. Nach der Ausreifung wird ein Tool entwickelt, das viel mehr ist als ein gewöhnlicher Fussabdruck-Rechner. 

Das Sustainable Lifestyle Accelerator Tool ist eine Kombination von Web-Plattform die Wissen und Unterstützung rund um nachhaltige, suffiziente Lebensstile vereint und einer Coaching-APP, die es den Usern ermöglicht, ihren ökologischen Fussabdruck mit gezielten Aktionen auf das Ziel 3 Tonnen CO2 pro Kopf pro Jahr zu reduzieren.

Die App begleitet den User in seinem Alltag wie ein Coach. Sie berechnet den individuellen Fussabdruck, schlägt neue Verhaltensweisen und Konsummuster vor und berechnet, wieviel dies zur Reduktion des Fussabdrucks beiträgt. Die App kann über einen längeren Zeitraum benutzt werden, ist interaktiv, schlägt lokale Produkte und Dienstleistungen vor und bietet real-life-support an.

Aktuell sind Plattform und Tool noch in der Entwicklung. Die erste Beta-Version soll in der Schweiz von 500 Haushalten im 2020 getestet werden und bereits im 2021 von über 10’000 Haushalte genutzt werden.


Projektleitung  

Das Projekt   Sustainable Lifestyle Accelerator (Beschleunigung Nachhaltiger Lebensstile) wird vom deutschen Wuppertal Institut koordiniert. future.camp® GmbH ist Praxispartner für die Schweiz. Dänemark, Finnland, Spanien, Mexiko und Indien führen im Rahmen des SLA-Projekts ebenfalls Haushaltsstudien durch. Förderpartner ist die dänische KR Foundation.     ​​